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Freitag, 7. November 2008

Mehr als Worte!


Unsere Welt verändert sich!
Heute wollte ich posten, meine Freude über die jüngsten Ereignisse zum Ausdruck bringen. Dann ein Besuch in der
Galerie Tausendschön!
Ich war berührt und möchte nicht mehr dazu sagen als:
Schaut doch mal bei Silke vorbei.

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Gute alte Zeit!



3 Wochen ohne Telefon, 5 Wochen ohne Internet, hätte ich je geglaubt das gut auszuhalten? Nein! Und dann kam alles ganz anders. Wie wohltuend es war ohne ständige Kommunikation, so ganz mit sich alleine, keine Fragen, keine Einwände, nur meine eigenen Gedanken und die ganz klar.

Aber da waren doch all die geschätzten Menschen, Familienmitglieder, liebe Freunde, wohlwollende Bekannte. Und die hatten sicherlich Fragen. Gut angekommen? Was macht das Gemüt? Heimweh? Krise? Hat Mogli die Fahrt gut überstanden? Und das Meer? Liebst Du es schon?

Zur Telefonzelle wollte ich nicht, Du lieber Himmel stundenlange Gespräche und immer das gleiche erzählen. Aber es gibt ja Papier, Stifte, Briefbögen, Briefmarken! Und dann ging es los, einige Abende saß ich in meinem neuen Zuhause und erinnerte mich an das gute alte Briefeschreiben. Blatt um Blatt füllte sich, Erlebnisberichte, Gedanken, Gefühle, herrlich! Es wurden Briefumschläge bemalt und Karten beschriftet. Und dann ab damit! Wann hatte ich eigentlich das letzte Mal etwas in einen Briefkasten geworfen?

Und dann folgte eine Überraschung der nächsten. Das ist ja unglaublich! Jeder, wirklich jeder hatte auch zur Feder gegriffen und mir seine Zeit geschenkt mit Berichten, guten Wünschen oder Erzählungen. Wie schön! Einen Brief liest man anders als eine email. Man liest ihn einmal, zweimal, dreimal. Nimmt alles auf, ganz konzentriert, sieht alles vor sich.Das Papier in der Hand fühlt sich gut an, es ist lebendig, knistert, raschelt. Die Sätze, die Worte, die Buchstaben, alles lebt!

Und mein Briefkasten? Ich nehme an, er hat gejauchzt. Endlich wieder Futter, gutes Futter, hm lecker. Keine lästigen Rechnungen, Bankbriefe, Behördenkram. Auch ein Briefkasten hat seine poetische Ader!

Nun haben sie also wieder mein Leben erobert, das Telefon, das Internet. Wie angenehm! Beides hat seine Würze und erquickt mein Leben. Dennoch... Ihr könnt es Euch denken:

Ich bemale schon die nächsten Umschläge!

Was hat Pythagoras mit mir zu tun?



Zu meinen wertvollsten Büchern zählt das "Robbins Power Prinzip". Ein hilfreicher Ratgeber, die eigenen Resourcen wachzurufen. Heute möchte ich einen Abschnitt daraus zitieren, der mich immer wieder begeistert. Robbins schreibt im Kapitel "Schicksalsfrage":

"...einer der engagiertesten Menschen, die ich je kennengelernt habe, ist Leo Buscaglia, der Autor von Love und anderen herausragenden Büchern. Besonders bemerkenswert finde ich, dass er sich hartnäckig immer wieder eine Frage stellt, die sein Vater ihm schon eingetrichtert hatte, als er noch ein kleiner Junge war. Jeden Tag, wenn die Familie sich beim Abendessen um den Tisch versammelt hatte, wollte der Vater wissen:
"Leo, was hast du heute gelernt?" Leo musste mit einer Antwort aufwarten und zwar einer guten. Wenn er an diesem Tag in der Schule nichts besonders Interessantes gelernt hatte, suchte er sich zu Hause im Lexikon einen Begriff heraus, über den er reden konnte. Leo sagte mir, er ginge bis zum heutigen Tag nicht eher ins Bett, bis er etwas Neues, Nützliches dazugelernt habe. Infolgedessen stimuliert er ständig seine Gedanken, und ein großer Teil seiner leidenschaftlichen Wissbegier ist auf diese Frage zurückzuführen, die ihm erstmals vor Jahrzehnten gestellt wurde..."

Auf diese Art und Weise mehr von der Welt zu erfahren hat mich so begeistert, dass ich mir vor einiger Zeit ein Journal angelegt habe, in das ich jeden Tag hinein schreibe was ich Neues entdeckt habe. Und wenn man auf der Suche nach etwas Neuem ist wird die Wahrnehmung konzentrierter. Ich höre, sehe, rieche tatsächlich mehr wie früher...


Heute morgen, als ich versuchte mich auf meine kommende Lesung vorzubereiten, kam mir plötzlich der griechische Philosoph Pythagoras in den Sinn, der ein brillanter Redner gewesen sein soll, obwohl er in seiner Jugend, der Legende nach, gestottert hatte. Interessant! Und wer war eigentlich dieser Pythagoras? Also nachlesen! Nun weiß ich mehr, vor allen Dingen dass der "Satz des Pythagoras" etwas mit rechtwinkligen Dreiecken zu tun hat. Man mag einwerfen, dass mir diese Einsicht nicht unbedingt von Nutzen sein wird. Stimmt! Aber es gab noch viel mehr zu lesen und einmal im Internet kann man sich buchstäblich durchs Universum klicken. Also ganz klar, mein heutiger Eintrag wird dem Philosophen von Samos gewidmet. Seit ich mein Journal führe kann ich sagen:

"Unsere Welt ist spannend!"

Wer schreibt hier eigentlich?


Mortimer Archibald of Summercastle

Es war einmal die Geschichte der Ameise mit dem weißen Hut. Das heißt, ganz stimmt das nicht, denn eigentlich befindet sich die Geschichte noch am Anfang. Soviel sei verraten: Alva ist eine kleine Ameise, die gelbbraun ist, bernsteinfarben von oben bis unten, und wie soll dann ein Name passen, der eigentlich "die Weiße" bedeutet? Aber leider ist das nicht ihr einziges Problem. Alva möchte die Welt kennen lernen und zwar von oben bis unten und von rechts bis links. Keine einfache Angelegenheit, wenn die Füßchen nach ein paar Metern Weg wie Feuer zu brennen beginnen.

Zum Glück ist man in Geschichten selten allein, ruck-zuck schauen ein paar Figuren um die Ecke und möchten mitspielen. Können sie ja, hab ich ja nichts dagegen, solange sie sich anständig benehmen und ein paar gute Ideen mitbringen.

Da ist zum Beispiel der Floh Bindestrich, Erdmann der Kartoffelkäfer und Mortimer. Mortimer, der große englische Setter, ein Straßenköter ohne Furcht und Tadel. Den brauchen wir unbedingt, der kann weit laufen und der hat seine Nase überall drin, auch da wo sie gar nicht reingehört.

So weit, so gut! Erschiene da nicht plötzlich Johann Balthasar Wagenmeister im Bild und behauptet, Mortimer hieße eigentlich "Mortimer Archibald of Summercastle", sei aus vornehmster englischer Zucht und er, Johann Balthasar Wagenmeister, hätte ihn höchstpersönlich gekauft. Vor allen Dingen wegen seiner hervorragenden Charaktereigenschaften, die da seien: Treue, Intelligenz, Gutmütigkeit, Anhänglichkeit und einer kleinen Brise Temperament, die sich allerdings, zum Bedauern vieler, auch in leichter Sturköpfigkeit äußern könne. Alles in allem sei Mortimer ein verlässlicher Freund, der stets ein wachsames Auge auf Haus und Park hätte. Denn wer Mortimer Archibald of Summercastle hieße, wohne standesgemäß in einem herrschaftlichen Haus mit prunkvollem Garten und von Straßenköter könne demzufolge keine Rede sein.

Ehrlich gesagt passt mir das gar nicht. Ich will diesen Johann Balthasar Wagendingsbums wieder loswerden, mitsamt Garten und all diesem edlen Schnickschnack. Aber dieser feine Herr denkt gar nicht daran unsere Geschichte zu verlassen, obwohl er darin überhaupt nichts zu suchen hat.

Liebe Güte, wie soll ich das jetzt wieder hinbekommen? Eine Geschichte muss von Anfang an richtig erzählt werden, damit nichts durcheinander kommt, vor allen Dingen die Buchstaben.

Und wer jetzt noch behauptet eine Schriftstellerin habe ein leichtes Leben, dem hetze ich gleich Mortimer auf den Hals, aber der wird sich wahrscheinlich nicht von der Stelle rühren, weil hier sowieso alle machen was sie wollen...

Der letzte Satz!



Das letzte Blatt, der letzte Satz, das letzte Wort...

Am Ende eines wundervollen Buches angekommen zu sein ist für mich jedes Mal eine schmerzliche Angelegenheit. Das habe ich schon als Kind so empfunden. Ich habe es nicht einfach gelesen dieses Buch, ich habe mitgelebt. Ich war dabei, wenn sich Dramen abspielten, Liebesromanzen das Herz bewegten oder das Leben ruhig und leise dahin plätscherte. Ich habe mitgekämpft, mitgelacht, mitgetrauert und mitgeliebt. Ich kenne sie alle persönlich, die Menschen, die mich für einige Tage, einige Wochen mit in ihre Welt genommen haben. Ich habe in ihren Häusern gewohnt, an ihren Tischen gesessen, mit ihnen gelacht, geweint, sie verstanden oder mich über sie gewundert. Ich höre ihre Stimmen, kenne ihren Tonfall und verfolge ihre Bewegungen. Ich weiß was in ihrem Kleiderschrank hängt und welches Parfum sie benutzen. Ich höre zu wenn sie musizieren und summe leise mit. Manchmal belausche ich sie heimlich und kichere leise. Ab und zu verreise ich und kehre erst nach einigen Tagen zurück, aber alle haben sie auf mich gewartet...



Doch unvermeidbar nähert sich der Augenblick, ab dem es mir langsam mulmig wird. Ich fühle mich wie jemand, der gleich den besten Freund zum Bahnhof bringt und nicht weiß ob er ihn je wieder sieht. Aber ich komme nicht drumherum, ich muss umblättern und dann ist es plötzlich da, das letzte Blatt, das letzte Wort. Und unvermittelt fühle ich mich verlassen, allein und einsam. Wo sind sie hin, all die Menschen, die mir ans Herz gewachsen sind und mit mir eine Weile ihr Leben geteilt haben? Wie geht ihre Geschichte weiter? Kann eine Geschichte zu Ende sein, solange sich die Erde noch dreht? Nein, ganz bestimmt nicht, der Autor hat nur an einer bestimmten Stelle den Stift zur Seite gelegt. Das ist es.

Und dann bin ich wieder in meiner eigenen Wirklichkeit, und in diesem Moment ist sie traurig und leer. Ich brauche meine Zeit.



Aber dann, ein paar Tage später mache ich mich wieder auf. Klopfe irgendwo an die Türe und bitte um gefällige Gastfreundschaft und da sind sie wieder, neue Menschen, neue Welten, neue Schauplätze. "Komm, komm mit.", höre ich geheimnisvolle Stimmen flüstern. Und ich komme mit. Wenn ich Glück habe fühle ich mich wie zu Hause und schließe neue Freundschaften. Und an den Abschied, an den denke ich jetzt noch nicht.

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